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Im Tanz der Nacht

Meine Gedanken nehmen mich mit fort. Sie werden zu Bildern. Ein Ritt durch die Gefilde der Nacht. In der Stube meldet sich stündlich der wohltönende Zweiklang der guten alten Uhr. Erinnerungen an die Straßenmusiker flammen auf. Es ist nicht einfach sich mit musizieren Geld zu verdienen und noch dazu, wer auf dieses zubrot angewiesen ist… Der Gitarrenbeat nähe Bahnhof und das einsame Saxophon zwischen Häusermauern – Klänge, vom Winde verweht, wie ein Schwarm Vögel. Die Uhr auf dem kleinen Tisch vor meiner Liegestatt läuft unablässig. Auch muß ich immer wieder lachen darüber, dass mir die Hose heruntergerutscht war und im Flur ich später ein Bibelzitat fand: „Lasst eure Lenden umgürtet sein.“ Und was sagt Wolfgang Borchert in seinem Gedicht „Draußen“?:

Das macht das Fenster, daß wir „draußen“ sagen –
und weil wir selber drinnen sind.
Nach draußen muß man schauernd fragen,
denn draußen ist der Wind.

Laternen stehn
schon Hundert schwarze Nächte –
und abends, bald nach zehn,
wenn mancher schlafen möchte,
graut wohl die Straße blaß
und schweigend aus der Flut
von Seufzern, Stein und Glas.

Nun ist es unser Blut,
das so gewaltig rauscht –
da hält der Wind im Tanz der Schritt,
bleibt manchmal stehn,
als ob er lauscht.
Und die Laternen gehen
noch lange durch die Träume mit.

Mögen sich die Seelen der Liebenden nebenan traumtief berühren und ich meine Reise fortführen. Ein neuer Morgen kommt bestimmt.

MuseSuse

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